Ein Hund-Mensch-Team und zwei Welten, in denen wir uns bewegen!
Vor einer Weile hatte ich ein Webinar bei Robert Mehl über die Wahrnehmung von Hunden. Immer wieder, wenn ich mit meiner Special Madame unterwegs bin, habe ich diesen unmöglichen Wunsch, die Welt mit ihren Augen zu sehen. Ich weiß, dies wird nicht möglich sein, doch dieses Webinar und dieser Wunsch zeigen mir immer wieder, wie einige Menschen fernab jeglicher Realität sind.
Wie die Überschrift schon sagt, bewege ich mich in zwei Welten. Einerseits lebe ich seit Jahren in Deutschland und andererseits hängt mein Herz an Bosnien. Es gibt viele Dinge, die ich sowohl hier als auch unten schätze und nicht missen möchte und doch gibt es die Realität dazwischen von Extremen, Unverständlichkeit, unterschiedlicher Meinung und Wahrnehmung. Meine Madame Rottweiler ist ein Special-Fall und ich würde behaupten, so einen Hund würden die wenigsten haben wollen, doch ich kriegte nicht den, den ich wollte, sondern wohl den, den ich brauchte. Ich bin keine Trainerin, doch eine Halterin, die sich seit längerer Zeit intensiv mit dem Thema beschäftigt und viele Möglichkeiten der Fortbildung, des Lernens und einige Erfahrungen gesammelt hat. Dementsprechend bewege ich mich sehr intensiv in der sogenannten „Hundebubble“ (hier nicht abwertend gemeint). Faszinierend finde ich, dass man in Deutschland unglaublich viele Möglichkeiten der Weiterbildung hat, unglaublich viele Fachbücher erwerben kann, auch Studien ansehen kann und dennoch leben viele in einer ausgesprochen festgefahrenen Meinung, wenn es um Hunde geht. In Bosnien sieht das Ganze etwas anders aus. Die Möglichkeiten sind nicht gegeben oder sehr minimal, was mich aber erstaunt: Manchmal reicht der gesunde Menschenverstand völlig aus.
Madame Special, wie es das Wort schon sagt, ist schon etwas speziell, dementsprechend trägt sie einen Maulkorb, doch nicht nur. Ich bewege mich also täglich auf Feldwegen, in Wäldern, sehr selten in vollgefüllten Städten, das ist weder meins noch ihres und auf Wanderungen. Es gibt vereinzelt Menschen, die uns begegnen, nett grüßen und ihren Maulkorb kaum wahrnehmen. Dann gibt es Menschen, die abwertende Kommentare machen, und dann gibt es jene, die nachfragen. Eine von denen ist eine ältere Dame, die mir schon öfters die Frage gestellt hat, weshalb sie einen Maulkorb trägt. Immer wieder habe ich dies erklärt, um ihr ein Verständnis dafür zu vermitteln. Auch dieses Mal, welches mir den Anlass für diesen Blog lieferte. Ich war drei Wochen lang zu Hause in Bosnien, ein einziges Mal wurde ich gefragt, wieso sie ihn trägt, ich erklärte es und man fand es total schlüssig und logisch.
Doch wir haben unten Straßenhunde in unterschiedlichen Varianten und nicht jeder von denen ist nett. Sie sind wunderbar in der Kommunikation, doch auch einige von ihnen haben ein gewisses territoriales Verhalten. Und dann komme ich mit meiner Madame, die ein gewisses Standing hat, welches unter Hunden nicht unbedingt als anständiges Verhalten wahrgenommen wird und so kann es passieren, dass ich den ein oder anderen Straßenhund abwehren muss. Ja, ich kann es, doch auch hier würde ich mir selbst niemals eine 100%ige Garantie zusprechen, weil es die nicht gibt. Denn Verletzungen an anderen Hunden will ich nicht, auch nicht an meinen, doch dafür sorge ich.
Und dann kam ich nach Deutschland zurück, traf die besagte Dame und wieder die Frage, weshalb, wieso und warum trägt sie ihn. Wieder versuchte ich es zu erklären und darauf kam: Es gibt Hundeschulen, die anderen tragen auch keinen, es ist doch furchtbar für sie und sie möchte sie so gerne streicheln.
Was die ältere Dame nicht wissen wird und ich mich auch nicht rechtfertigen muss: Ich war in sogenannten Hundeschulen, habe mir etliches Wissen angeeignet, mein Hund ist nicht ein anderer Hund, sie hat absolut kein Problem mit dem Maulkorb und ich muss ihn in Bosnien tragen, weil der Rottweiler schon eine gewisse Bisskraft hat und man Verantwortung für den Hund und für das Miteinander trägt.
In Bosnien wird man mich auch fragen, ob man sie streicheln darf, weil man sie süß findet, doch wenn ich sage nein, dann ist da keine Empörung, auch wegen des Maulkorbs nicht. Auch würde sich keiner wagen, mir eine Hundeschule zu empfehlen. Man versteht, dass nicht jeder Hund es mögen muss.
Und hier führe ich ein Gespräch mit jemandem, der die Dinge bewertet, teilweise abwertet und wäre ich jemand, der kein breites Kreuz hat, könnte ich mir Vorwürfe machen und mich schlecht fühlen, vor allem bei dem Satz: „Es gibt Hundeschulen.“
Ja, die gibt es und es gibt meine Madame, die bei der Geburt wiederbelebt wurde, null sozialisiert wurde und Hundeschulen, die aus meinem heutigen Wissen nicht wirklich Ahnung von Hunden haben.
Die Wahrnehmung ist schon etwas Wunderbares, denn so sieht man, wie unterschiedlich sie ausfallen kann, doch eins hat die Dame gesagt, womit ich mit ihr zu 100 % d’accord gehe:
„Wissen Sie, wenn Menschen eine Meinung haben, da können Sie diskutieren, wie viel Sie wollen, man wird sie von dieser nicht abbringen können.“
Ich gab ihr recht, denn auch sie hat eine Meinung und es ist vollkommen egal, was ich erkläre, ich werde sie davon nicht abbringen können. Doch eine Meinung ist kein Wissen und deshalb, bevor man urteilt, verurteilt und beurteilt, sollte man sich fragen: Gebe ich hier meine Meinung ab oder spreche ich von Wissen?
In diesem Sinne: Nehmt die Dinge wahr, hinterfragt und lasst die Vielfältigkeit leben.

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