Wie ich zum Hund kam - oder er zu mir - oder steckt dahinter doch mehr ;o)?
Vorweg möchte ich euch sagen, ich teile hier meine Erinnerungen, meine Erfahrungen und das Gefühl, welches dabei entstand. Ich werte die Situationen nicht und würde euch bitte, dies auch nicht zu tun. Es mag das ein oder andere für den ein oder anderen nicht in Ordnung sein und ich möchte damit keine Debatten auslösen, lediglich mein Erlebtes wiedergeben.
Geboren wurde ich im damaligen Jugoslawien und die meiste Zeit meines dortigen Lebens verbrachte ich bei meinem Opa und meiner Oma mütterlicherseits. Später nur bei meiner Oma, da, wie ich schon erwähnt hatte, mein Opa starb, als ich dreieinhalb war.
Nichtsdestotrotz erinnere ich mich sehr gut an einzelne Momente, wie an einen Film, den ich schon mehrmals gesehen habe und genau weiß, wie die Szene weitergeht oder wie sie entstand. So ist es auch mit dem folgenden Erlebnis. Ich kann euch nicht sagen, welcher Tag es war oder wie es draußen aussah, aber ich weiß ganz genau, dass ich mit meiner Oma zu Hause war, mein Opa zur Haustür kam und einen Karton trug, der für mich damals riesig war. Heute würde ich sagen, er hatte ungefähr die Größe eines Bananenkartons, mit drei sind das Dimensionen, die man als riesig wahrnimmt. In diesem Karton verbarg sich etwas. Etwas, von dem ich damals noch nicht wusste, dass es mein erster Kontakt mit einem Hund sein würde. Er lächelte mir zu und signalisierte mit dem Kopf und den Fingern, denn er hielt den Karton ganz fest, ich solle ihm folgen. Meine Oma wusste, dass es mein Opa war und ich Herz und Flamme für ihn war und er für mich. Also rannte ich wie immer in seine Richtung, nur diesmal mit ins Schlafzimmer. Er legte den Karton sanft auf den Boden und da erblickte ich diesen kleinen süßen deutschen Schäferhund. Er war braun/grau und hatte so süße Augen, dass ich fast vor Glück geschrien hätte. Doch mein Opa kannte mich und signalisierte mir mit dem Finger vor dem Mund, dass ich leise sein müsse.
Dies tat er, weil er ganz genau wusste, dass meine Oma eine wahnsinnige Angst vor Hunden hatte. Leise sagte er, wir müssen ihn hier drinnen lassen, damit wir mit Oma erstmal reden können, aber zuerst gebe ich ihm was zu trinken und stelle ihm was zu essen hin, gehe auf die Toilette und dann reden wir mit Oma. Ich nickte voller Glück und Freude. Er holte aus der Küche eine Schüssel mit Wasser und eine mit zerkleinertem gekochten Hähnchenfleisch, sowas hatten wir immer da. Er legte es in den Karton und das kleine Wesen trank. Mein Opa sagte, er gehe jetzt auf die Toilette und dann kommt er zu mir und zu meiner Oma ins Wohnzimmer. Unser Plan war sie sanft darauf vorzubereiten und diesen haben wir wohl ohne den Hund gemacht.
Mein Opa ging auf die Toilette, ich zu meiner Oma, voller Freude und wartete darauf, dass mein Opa auch kam. Doch bevor es so weit war, dachte sich das kleine wuselige Ding, der Karton ist doch kein Hindernis, um meine neue Umgebung zu erkunden, sprang raus und kam durch den Flur angetapselt. Ich sah ihn und bevor ich reagieren konnte oder mein Opa draußen war, stand dieses kleine Ding im Wohnzimmer, sah meine Oma auf der Couch sitzen und stieg mit den Vorderpfoten auf ihr Bein hoch.
Ich könnte heute noch Tränen lachen - nicht, weil ich die Angst meiner Oma nicht ernst genommen habe, aber diese Szene ist wie aus einem Film, wenn meist Frauen sich von einer Maus erschrecken und auf Tische oder Stühle hoch springen, genauso war es. Also diese kleine Fellnase sprang an ihr Bein, sie sah es, sprang in einem Zug als erwachsene Frau auf die Couch, schrie, man solle ihn weg machen, zitterte und fing an zu weinen. Sie tat mir leid - echt, aber auch die kleine Fellnase, die sich ebenfalls erschrocken hat und zurücksprang. Mein Opa in dem Moment aus dem Bad kam, ihn hochnahm und dann hörte ich die Worte meiner Oma: „Wollt ihr mich umbringen?“ Nein, natürlich wollten wir dies nicht und auch war ja unser Plan ein anderer, doch leider nicht der, der kleinen Fellnase.
Meinem Opa und mir war, glaub ich, gleichzeitig in dem Moment klar, dass die kleine Nase nicht bei uns bleiben kann. Er brachte ihn ins Schlafzimmer in den Karton, ich ging mit und streichelte die Nase, während mein Opa mit meiner Oma sprach. Ich weiß, nur noch, dass er mir sagte, wir müssen ihn zurückgeben, weil Oma Angst hat und sie sich in der Wohnung nicht bewegen würde, wenn die kleine Fellnase bleiben würde. Ich war traurig und enttäuscht, verstand aber auch, dass es nicht möglich war. Für einen kurzen und prägenden Moment, obwohl es kein Happy End gab, war diese kleine Fellnase ein Teil meines Lebens. Bis heute sehe ich diese Erinnerung vor mir, egal ob mit offenen oder geschlossenen Augen und jedes Mal zaubert sie mir ein Lächeln ins Gesicht.

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